Fachforum: Online-Marketing

Bis noch vor wenigen Jahren taten sich die öffentlichen Kulturbetriebe in Deutschland recht schwer, sich überhaupt mit dem Gedanken an Kulturmarketing und Besucherbindung anzufreunden: Zu groß war die Angst, Kunst und Kultur dem Markt, dem Kommerz auszuliefern. Und kaum hat man die Notwendigkeit eines strategischen Kulturmarketing verstanden und anerkannt, sich bemüht, per Website im Internet präsent zu sein, rollt eine neue Welle auf die Kulturbetriebe zu: Wollen sie neue und junge Besucher erreichen, kommen sie nicht umhin, intensiv die Möglichkeiten des Web 2.0 und des Social Media Marketing zu nutzen.

Betrachtet man die verschiedenen Nutzerstudien zum Online-Verhalten, so deutet sich eine Spaltung des Publikums an: Die über sechzigjährigen, unter denen viele intensive Kulturbesucher sind, nutzen – so scheint es – das Netz vorrangig für Mailing, als Recherche-Instrument und zur Buchung, während die Jüngeren „im Netz leben“, ihre sozialen Kontakte dort knüpfen. Was bedeutet dies für das Kulturmarketing der Zukunft?

Wie viel Online-Marketing braucht und verträgt ein Kulturbetrieb? Und wie viel Online-Marketing vertragen die Kunden eigentlich? Muss eine Einrichtung jedem Social-Media-Trend hinterher eilen? Falls nein, welche Trends dürfen getrost übergangen werden, welche nicht? Wann ist ein Trend ein Trend und was sind die Trends von morgen? Und vor allem: Was bewirkt Social-Media eigentlich effektiv? Sind denn diese Ergebnisse überhaupt messbar? Falls ja, wie?

Diesen und auch vielen anderen Fragen stellen sich unsere Experten aus Praxis und Wissenschaft im Fachforum Online-Marketing:

Daniela Bamberger studierte Neuere deutsche Literatur und Medien, Kunstgeschichte sowie Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt auf Erwachsenenbildung an der Philipps-Universität Marburg und an der Vrije Universiteit Amsterdam. Seit 2008 arbeitet sie als Content Managerin für das Städel Museum und die Liebieghaus Skulpturensammlung. Privat ist sie seit 2007 als Bloggerin aktiv: http://dbamberger.wordpress.com

Christian Henner-Fehr studierte in Erlangen Theaterwissenschaft und anschließend in Wien Kulturmanagement. Seit 1997 lebt und arbeitet er in Wien als Kulturmanager bzw. -berater und beschäftigt sich mit den Themen Kulturfinanzierung, Projektmanagement und Social Media. Er betreibt das Kulturmanagement Blog und ist Mitorganisator der stARTconference: http://kulturmanagement.wordpress.com

Dr. phil. Harald Krämer studierte Kunstgeschichte in Trier, Wien und Witten/Herdecke. Seit 1993 ist er als Konsulent für Museumsinformatik und seit 1998 als Produzent/Regisseur/Gestalter von Hypermedia-Anwendungen mit kulturhistorischen Themen tätig (www.transfusionen.de). Derzeit entsteht die Publikation ‚Hypermedia Communication Design & Museum‘. H. Kraemer lehrt am Zentrum für Bildwissenschaften der Donau-Universität Krems und an der Zürcher Hochschule der Künste in den Fachrichtungen Design und Cast. Näheres: http://www.zhdk.ch/?person/detail&id=31762&reload_img=1

Der Gewinner / die Gewinnerin des call for papers wird die Expertenrunde komplettieren.

Ablauf:

Die Experten beziehen während eines Kurzvortrages (20 min.) Stellung zu den oben genannten Fragen. Dazwischen bleibt Raum für Nachfragen. Im Anschluss an alle Gastvorträge findet eine offene Gesprächsrunde statt. Hierin werden – im Sinne des Kongresstitels – Visionen für das Online-Marketing im Jahr 2030 entwickelt.

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8 Antworten zu “Fachforum: Online-Marketing

  1. Sehr spannendes Thema! Bin leider (?) auf Urlaub zu dieser Zeit, werde den Kongress aber so gut es geht online verfolgen!

  2. Christoph Bader

    Momentan wird diese Diskussion ja stark davon dominiert, was man als Kulturbetrieb mit Facebook, Youtube und Twitter erreichen kann. Mich würde aber darüber hinaus interessieren, welche zusätzlichen Möglichkeiten es gibt, potenzielle Besucher auf die eigene Homepage zu bringen? Außerdem fände ich einen Ideen- und Erfahrungsaustausch gut, mit welchen Mitteln die Verweildauer der Benutzer auf der eigenen Homepage erhöht werden kann.

  3. @Christoph Bader: die Verweildauer ist kein ganz einfaches Thema. Suche ich eine wichtige Information und finde sie sofort, ist meine Verweildauer sehr kurz, ich bin aber hochzufrieden über den guten Service des Betreibers. Eher unzufrieden bin ich, wenn ich ewig lang nach einer Info suchen muss und sie nicht finde. Die Verweildauer ist zwar recht lang, aber nicht unbedingt zum Vorteil der Kultureinrichtung.

  4. Mich würde in diesem Zusammenhang dann besonders interessieren, ob die Effektivität von Social-Media überhaupt messbar ist? Oder, ob man hier wieder nur über eine klassische Besucherumfrage gehen kann. Denn – wie wir eben gelesen haben – kann die Verweildauer auf der Website ja nicht unbedingt ein Indikator sein.
    Ich freue mich auf alle Fälle sehr auf den Kongress und besonders auf das Fachforum Online-Marketing!

  5. Die von Helge Kaul verfasste Studie „Social Media Marketing in Kunst und Kultur“ ist genau dieser Frage nachgegangen (ich habe vor einiger Zeit einen Blogbeitrag darüber geschrieben) und kommt zu dem Ergebnis, dass Social-Media-Aktivitäten ohne Einbindung in eine Marketingstrategie überhaupt nichts bringen.

    Auf der anderen Seite ist das mit der Messbarkeit so eine Sache: wer weiß schon, was ein Plakat oder ein Folder bringt? 🙂

  6. Christoph Bader

    @ Christian Henner-Fehr: Vielen Dank für den Hinweis zu Studie und Blogbeitrag. Der Einwand, dass die Verweildauer noch kein alleiniges Qualitätsmerkmal sein kann, ist berechtigt. Dennoch sollten wir darüber sprechen, welcher weitere Content für den Besucher der Homepage interessant sein könnte, um ihn länger zu halten – zum Beispiel weil seine Neugier geweckt wurde. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf den weiteren Austausch beim Fachforum.

  7. Lidia Jerke

    Mittlerweile haben die meisten Einrichtungen erkannt wie wichtig eine Homepage ist und speisen diese regelmäßig mit Content. Aber was nützt dem Besucher eine Seite mit gutem Inhalt, wenn man nach bestimmten Informationen lange suchen muss und die Seite wenig besucherfreundlich ist. Sollte man nicht auch die Frage der Usability einer Homapege in die Diskussionsrunde werfen? Meiner Meinung nach besteht hier noch bedarf die Informationen innerhalb einer Homepage besser miteinander zu verknüpfen.

  8. Pingback: Konferenzen und Seminare: hier bin ich in der nächsten Zeit dabei « Das Kulturmanagement Blog

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